Pimcore Open Core License: Was die Umsatzgrenze für Ihr Projekt bedeutet
Seit Platform Version 2025.1 ist Pimcore nicht mehr einfach „Open Source“. Wir erklären, wer von der Umsatzgrenze betroffen ist, was für Bestandsprojekte gilt und wie Sie die Lizenzfrage früh klären.
Viele Teams gehen davon aus, dass Pimcore „Open Source“ ist und sich Lizenzfragen damit erledigt haben. Seit Platform Version 2025.1 stimmt das nicht mehr: Pimcore steht unter der Pimcore Open Core License (POCL). Der Quellcode ist weiterhin öffentlich, die kostenlose Produktivnutzung ist aber an Bedingungen geknüpft. Die wichtigste ist eine Umsatzgrenze.
Was die POCL für die kostenlose Nutzung verlangt
Laut Lizenztext darf eine Organisation Pimcore im Produktivbetrieb kostenlos nutzen, wenn ihr weltweiter Jahresumsatz 5 Mio. € nicht übersteigt. Zwei Details sind in der Praxis entscheidend:
- Die Gruppe zählt. Die Organisation darf nicht Teil, Tochter oder Beteiligung einer Gruppe sein, deren gemeinsamer Umsatz die Grenze übersteigt. Ein kleines Unternehmen in einem großen Konzern fällt also nicht unter die kostenlose Nutzung.
- Selbstauskunft mit Prüfung. Die Einstufung nehmen Sie selbst vor, wenn Sie Pimcore einsetzen. Pimcore kann sie regelmäßig prüfen. Überschreiten Sie die Grenze später, ist eine kommerzielle Lizenz nötig, und Pimcore darf Gebühren ab dem Zeitpunkt der Überschreitung nachfordern.
Non-Profit- und Bildungseinrichtungen können ebenfalls kostenlos nutzen. Behörden, Gemeinden, Parteien und öffentliche Einrichtungen sind davon ausgenommen, sofern Pimcore nicht ausdrücklich zustimmt.
Die Entwicklung zählt schon als Produktivnutzung
Der Punkt, der am häufigsten übersehen wird: Demos, Prototypen und Proofs of Concept sind kostenlos. Sobald aber eine Lösung mit der Absicht entwickelt wird, sie in Produktion zu bringen, gilt die Nutzung laut Lizenz von Anfang an als Produktivnutzung. Das gilt auch, wenn ein Partner für Sie entwickelt.
Praktisch heißt das: Wer erst kurz vor dem Livegang bemerkt, dass die Umsatzgrenze überschritten ist, hat die Lizenzfrage zu spät gestellt. Für Demonstrationen mit Funktionen der Enterprise Edition braucht es zusätzlich eine Pimcore Developer License (PDLA).
Was für Bestandsprojekte gilt
2024.4 war die letzte Platform Version unter der GPLv3. Läuft Ihre Plattform auf dieser oder einer älteren Version, bleibt sie unter der damaligen Lizenz. Ein Upgrade auf 2025.1 oder neuer ist dagegen zugleich ein Lizenzwechsel. Dazu kommt der Supportzeitraum: Für die letzte Linie 2024.4 (Pimcore 11.5) gibt es Long Term Support bis Dezember 2026, aber nur mit Enterprise-Lizenz. Danach erscheinen keine Sicherheitsupdates mehr.
Das Upgrade ist damit nicht nur eine technische, sondern auch eine Budgetentscheidung. Wer es erst im Projekt klärt, verhandelt unter Zeitdruck. Die Lizenz sollte deshalb vor dem Upgrade feststehen.
Was die POCL nicht ändert
Die POCL macht Pimcore nicht zu einem geschlossenen Produkt. Der Quellcode bleibt einsehbar, Bundles und Erweiterungen entwickeln Sie weiter wie bisher. Untersagt ist laut Lizenztext vor allem, Pimcore als gehosteten oder Managed Service für Dritte anzubieten oder einen konkurrierenden Fork zu bauen. Für den normalen Einsatz im eigenen Unternehmen ist das nicht relevant, für Anbieter von Plattformen kann es das sein. Wenn Sie in diese Richtung planen, lassen Sie den Wortlaut prüfen.
Was das für die Projektplanung heißt
Aus der Lizenzlogik ergeben sich drei Konsequenzen, die wir in der Architekturphase prüfen. Das sind Einschätzungen von CORS, keine Vorgaben von Pimcore:
- Lizenz vor Modulwahl. Wer unter der Umsatzgrenze liegt und mit dem Kern auskommt, plant anders als jemand, der Enterprise-Module einsetzen will. Die Modulliste sollte deshalb vor der Angebotsphase feststehen, nicht erst in der Umsetzung.
- Wachstum einplanen. Wenn absehbar ist, dass der Umsatz die Grenze überschreitet, ist es sinnvoll, die spätere Lizenz schon im Budget zu berücksichtigen, statt sie bei Überschreitung nachzuholen.
- Zuständigkeit festlegen. Die Selbstauskunft gibt der Kunde ab. Wir als Pimcore Gold Partner unterstützen bei der Einordnung, die Verantwortung für die Angaben liegt aber bei Ihnen.
Verbindlich ist immer der Lizenztext von Pimcore, und im Zweifel die Auskunft von Pimcore selbst. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.
Fünf Fragen für Geschäftsführung und Einkauf
- Wie hoch ist der Jahresumsatz der gesamten Unternehmensgruppe, nicht nur der einzelnen Gesellschaft?
- Wächst der Umsatz in den nächsten Jahren absehbar über 5 Mio. €?
- Läuft die Plattform schon, und wenn ja, auf welcher Platform Version?
- Brauchen Sie Module der Enterprise Edition, etwa Workflow Designer, oder Long Term Support?
- Wer klärt die Lizenz mit Pimcore: Sie selbst oder Ihr Partner im Auftrag, und wann?
Frage 4 verdient besondere Aufmerksamkeit. Welche Edition nötig ist, folgt aus den Anforderungen. Ein Beispiel: Ein Freigabeprozess lässt sich mit dem Workflow Designer konfigurieren, der zur Enterprise Edition gehört, oder als eigener Symfony-Code umsetzen. Beide Wege haben unterschiedliche Kosten, nur der erste ist an die Lizenz gebunden. Das ist unsere Einschätzung aus Projekten, keine Pimcore-Vorgabe.
Unsere Einschätzung: früh klären
Die Lizenzfrage ist eine Architektur- und Budgetfrage. Sie bestimmt, welche Module Sie einplanen dürfen, ob ein Upgrade ansteht und welche laufenden Kosten neben Implementierung und Betrieb entstehen. Je früher sie beantwortet ist, desto weniger Umbauten entstehen später. Eine Übersicht der Editionen und der Lizenzbedingungen finden Sie auf unserer Seite Editionen & Preise.
Nächster Schritt: Pimcore-Check
Betreiben Sie bereits eine Pimcore-Plattform? Im Pimcore-Check erfassen wir Version, Bundles und Infrastruktur und zeigen, welche Lizenz Sie nach einem Upgrade brauchen und wie der Weg dorthin aussieht. Sprechen Sie uns über das Kontaktformular an, oder lesen Sie vorab, was Editionen und Lizenzen für Ihr Projekt bedeuten: Editionen & Preise.
